Wie geht eigentlich Loslassen?

Also ich muss zugeben, dass das Wort Loslassen in mir gemischte Gefühle auslöst. Ich weiss, dass es das Wundermittel schlechthin ist, um wirklich eine Veränderung zum Positiven anzustossen. Und ich weiss auch, dass uns genau das Loslassen einfach nicht so richtig gelingen will, wenn wir mitten drin sind in einer Situation, in der wir uns gefangen fühlen. Weil ich das nämlich selbst auch schon so erlebt habe. Und wenn man dann von allen Seiten die salbungsvollen Worte „du musst einfach nur loslassen“ hört, will man doch nur losschreien…..oder nicht? Also ich manchmal schon. Dabei ist es oft nur eine Entscheidung entfernt. Der Knackpunkt dabei ist, dass diese Entscheidung eben aus dem Herzen kommen muss. Einfach mal drüber nachdenken und sich überlegen, dass man ja auch loslassen könnte bewirkt deshalb leider ziemlich wenig.

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Was ist das eigentlich - das Loslassen?

Beim Loslassen schaffen wir eine innere Distanz zu einem Thema, ähnlich wie bei einem inneren Abschied. Was uns dabei so schwer fällt und uns Angst macht ist das Gefühl der Endgültigkeit. Jedenfalls scheint es so endgültig, weil wir eben nicht wissen, was uns nach dem Abschied erwartet. Wird es wirklich besser werden? Irgendwie befürchten wir, dass wir am Ende noch schlechter dastehen, die Verlierer sind. Was wir aber eigentlich wirklich fürchten, ist die innere Leere. Diese Leere auszuhalten ist gar nicht so einfach. Und diese Leere füllt sich auch nicht plötzlich, sondern allmählich. Und das kann einen manchmal mit dem Gefühl zurücklassen, dass alles so zäh ist und sich gar keine Besserung einstellt. Aber das stimmt gar nicht. Es ist einfach ein Prozess mit einem neuen Gefühl, das wir erst mal kennenlernen, ertasten, uns reinfühlen müssen und uns dann Schritt für Schritt zu eigen machen können.

Loslassen ist ein Prozess der nicht von heute auf morgen geschieht, sondern sich allmählich vollzieht.

Nicht immer ist es allerdings die Angst, die uns am Loslassen hindert - manchmal ist es auch einfach pure Bequemlichkeit. Denn Veränderung bedeutet auch, dass wir etwas tun müssen.

So geht Loslassen:

1. Was belastet mich?

Mache Dir bewusst, was dich eigentlich wirklich belastet und welche negativen Konsequenzen diese Belastung mit sich bringt. Oft macht es Sinn, sich das Ganze aufzuschreiben, denn dann wird es viel klarer und verbindlicher. Außerdem fließt es mit dem Aufschreiben aus deinem System heraus (aufs Papier) und das kann schon eine erste Entlastung bringen.

2. Wovor habe ich Angst?

Schreibe anschließend auf, wovor du dich in diesem Zusammenhang fürchtest. Vor welcher Konsequenz hast du Angst? Sei es in deinen Augen noch so kindisch oder irreal, alles darf hier seinen Platz haben. Wichtig ist einfach, dass Du ganz ehrlich zu dir selbst bist. Du brauchst deine Aufzeichnungen niemandem zeigen. Erlaube dir, Angst zu haben.

3. Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?

Egal ob du loslässt oder du fest hälst - du bezahlst in jedem Fall einen Preis. Mache dir bewusst, welchen Preis du für dein Leiden (für das Festhalten) zahlst und welchen Preis du für die Veränderung zahlen müsstest. Ich rede hier weniger vom Europreis als vom immateriellen Preis (z.B. Verlust der Leistungsfähigkeit, Erschöpfung, Arbeitsplatzverlust, Einbuße in der Lebensqualität, Auswirkung auf deine Beziehungen, Familie etc.).

Was ist es dir wert?

Welche positiven Auswirkungen auf dein Wohlbefinden, deine Beziehungen, deine gesamte Lebensqualität hätte im Gegenzug das Loslassen? Schreibe auch das auf, auch wenn die Änderung der Perspektive dir am Anfang vielleicht noch schwerfallen sollte. Oft bewirkt gerade das Aufschreiben schon eine erste innere Entspannung, weil Klarheit entsteht.

4. Annehmen, was ist

Das ist wohl der schwierigste Punkt, denn jetzt regt sich sicherlich so richtig Widerstand in dir. Widerstand aufrecht halten ist allerdings wahnsinnig kräftezehrend und ermüdend. Sag dir also zunächst einmal innerlich, dass es jetzt gerade blöd ist, so wie es ist. Und dass du dich jetzt voll im Widerstand befindest. Und sei einfach ehrlich und sanft mit dir selbst und mache nicht den Fehler, dich jetzt dafür zu verurteilen, dass du noch nicht vollumfänglich loslassen kannst. Das hat hier keinen Platz. Nimm es an, nur für den Moment im Jetzt. Es ist was es ist. Annehmen bedeutet nicht, dass du es für gut befindest und es so belassen wirst und ist auch nicht mit einer Kapitulation zu vergleichen. Mit dem Annehmen geht man der Veränderung einfach ein Stück entgegen und bildet die Basis, damit das, was verhärtet ist, wieder in Bewegung kommen kann.

5. Wo will ich hin?

Meistens sind wir so fokussiert darauf, was wir NICHT wollen, was wir weg haben wollen, dass wir gedanklich nur noch damit beschäftigt sind. Und damit halten wir uns in der leidvollen Situation selbst gefangen. Nimm einen weiteren Blickwinkel ein und überlege dir, was will ich stattdessen? Wo will ich hin?

Es ist übrigens meiner Meinung nach essentiell, auch folgende Überlegungen anzustellen: Was ist an meiner derzeitigen Situation gut? Was soll so bleiben? Was macht mir meine derzeitige Situation möglich? Was ist der Vorteil? Diesen Schritt solltest du auf keinen Fall überspringen, denn diese Erkenntnisse müssen in dein Zukunftsszenario mit eingebaut werden. Wenn du beim Loslassen diese Vorteile „opfern“ müsstest würdest du deinen Wunschzustand unbewusst immer sabotieren.

6. Mutige Schritte tun

Wenn du etwas anderes haben möchtest, als das, was du im Moment erlebst, musst du etwas anderes tun als bisher. Frei nach Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“.
Loslassen und Veränderung erfordern Mut. Ich empfehle dir, hier kleine Schritte zu gehen, so dass du langsam in dein neues Sein hineinwachsen kannst. Mache ein Ding nach dem anderen und spüre hinein, ob du dich Richtung Wunschzustand bewegst. Du kannst jederzeit korrigieren und justieren, nichts ist endgültig. Lauf einfach los, in deinem Tempo.

7. Unterstützung finden

Gerade wenn wir schmerzliche Dinge, Situationen, alte ausgediente Muster oder auch längst überholte Freundschaften loslassen möchten ist es wichtig, uns Halt und Stabilität für die Veränderungsphase zu sichern. Du findest sie bei wirklich guten Freunden, die dich nicht beurteilen und lächerlich machen, sondern dich ernst nehmen. Du findest sie vielleicht innerhalb der eigenen Familie oder bei einem guten Mentor. Vielleicht möchtest du dich aber mit deiner Verletzlichkeit in deinem engeren Umfeld gar nicht so gerne offenbaren, dann suche dir einen Heilpraktiker, Arzt, Therapeuten oder Coach. Einfach jemanden, dem du vertraust, du dich öffnen kannst und der dich auf dem Weg stärkt und begleitet. Und mit dem du deine Erfolge dann auch feierst. Du musst da nicht alleine durchgehen.

Mein Fazit:
Loslassen ist wie Schaukeln.

Wir nehmen langsam Schwung auf und schwingen zwischen altem und neuem Gefühl hin und her. Wir schaukeln so lange vor und zurück, bis wir die ideale Höhe erreicht haben, um abspringen zu können. Und landen dann mit beiden Beinen wieder auf der Erde. Vielleicht stolpern wir noch ein bisschen, aber letztendlich stehen wir stabil an einer neuen Stelle und freuen uns darüber, den Absprung geschafft zu haben. Und dabei wirst du mit einer ganz neuen Energie durchströmt.

Wenn du das nächste Mal an einem Spielplatz vorbei kommst dann geh doch mal schaukeln......

Herzlich,
Sara