Zeit der Ruhe

Beim Aufräumen ist mir folgender Text in die Hände gefallen, den mir eine Freundin letztes Jahr im November geschickt hatte. Ich finde ihn sehr passend und schön für diese Jahreszeit und soll inspirieren, inne zu halten, in die Ruhe zu kommen und nichts zu müssen.

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Zeit der Ruhe (Quelle unbekannt)

Ursprünglich war der November Neumond der Tag, an dem der Zyklus der Arbeiten draussen in der Natur beendet wurde. Ab diesem Tag wurde der Natur nichts mehr entnommen. Beeren, Kräuter und alles andere, was noch ein wenig lebendig war, überliess man ab dem November Neumond den Naturwesen, den Wintertieren und Mutter Erde.
Das Sterben war nun endgültig Teil des Lebens. Doch genau in diesem Sterben liegt eine so unendlich grosse Kraft. In aller Stille und Ruhe entsteht aus dem Alten und Verbrauchten der Nährboden für das Neue.
Nur mehr wenige Blätter hängen an den Bäumen, dafür sammelt sich das modrige Laub an ihren Wurzeln. Still liegt es am Boden und wartet darauf, dass sich der Schnee darüber legt, so dass es sich langsam, still und leise verwandeln kann. Aus dem alten, modrigen Laub wird über den Winter wertvolle Erde, welche im neuen Lebenszyklus das neue Keimen überhaupt erst ermöglicht. Damit dieses Lebenswunder passieren kann braucht es Dunkelheit, Stille und viel Zeit. Ohne etwas tun zu müssen, ohne aktives Handeln findet die Veränderung statt.
Wer mit der Natur lebt und ihre Energien nutzt, weiss, dass jetzt auch für uns die Zeit der Stille und der Ruhe beginnen sollte. Es ist Zeit, dass wir uns zurück ziehen, nicht viel tun und das Leben einfach einmal sein lassen. In diesem Nichtstun, wenig aktiv handeln, uns hingeben und geschehen lassen, liegt eine unglaubliche und wunderschöne Kraft. Es ist die Kraft der stillen Transformation, die geschieht, wenn wir es einfach zulassen. So wie die Blätter derzeit am Boden liegen, so dürfen auch wir uns viel hinlegen und uns hingeben. Manch Altes möchte derzeit einfach vermodern, damit Neues entstehen kann.
Nichts muss derzeit schnell geschehen, laut sein, sofort sichtbar sein. Nein, alles darf jetzt still, ruhig und in der mystischen Dunkelheit geschehen. Liebevoll, langsam, sanft und weiblich. Denn genau in dieser Qualität findet die Veränderung des Herbstes statt. Ohne Kampf, ohne grossen Willen, ohne Manipulation und ohne aktives Tun.
In der Hingabe im sanften Loslassen um im Fallen lassen in das zyklische Kreisen der Jahreszeiten kann Veränderung jetzt passieren. Nehmt Euch diese Zeit, denn schon zur Wintersonnenwende will das Licht in Euch neu geboren werden. Und bis dahin brauchen wir vor allem Eines - Stille, Rückzug, Zeit für uns und Ruhe. Denn die Natur zeigt es uns - jetzt ist die Zeit des Ruhens.

Ganz ähnlich ist es übrigens auch in persönlichen Veränderungsprozessen: Alte Muster und Programme, die nicht mehr dienlich sind, dürfen abfallen, so dass sich neue, förderliche Überzeugungen entfalten können. Damit du wieder Lebendigkeit, Freude und Kraft spürst.

Versuche, im Alltag immer mal wieder kurze Moment der Stille und Einkehr, der Ruhe und Selbst-Beobachtung einzubauen. Auch wenn das im Trubel oft schwierig ist, so lassen sich ein paar Minuten eigentlich immer finden.

Herzlich,
Sara